Versuchsaufbau: Gunship 2000 CD³² Hack – Rendergrafiken ersetzen

In unserer Versuchsreihe “Retro-Hacks selbstgemacht” diesmal ein Versuch zum Spiel Gunship 2000 auf dem Amiga CD³².

Ziel des Experiments ist es, den Titelbildschirm (Abbildung 1) der CD³² Version durch den der AGA Version (Abbildung 2) zu ersetzen.

Gunship 2000 CD32 TitelbildschirmGunship 2000 (modifizierter Titelbildschirm)
Abbildung 1 (links): Gunship 2000 CD3³² (Titelbild/Logo) Abbildung 2 (rechts): Gunship 2000 AGA (Titelbild/Logo)

Hintergrund und kleiner Exkurs zum Thema Purismus
Der Grund dafür ist zunächst allgemein die problematische Implementation von CGI bzw. vorgerenderten Grafiken und Animationen in verschiedenen Spielen ab Mitte der 90er Jahre. Die damit verbundene Inkonsistenz in der Spielgrafik von vielen Titeln ist Puristen² durchaus ein Dorn im Auge. Der Logik nach würden Puristen jeweils die “authentischen” Versionen solcher Titel bevorzugen, etwa eine unveränderte CD³² Version von Gunship 2000 auf dem CD³² (mit allen Inhalten inkl. dem neuen Intro oder dem Titelbild).

Für Fans klassischer ECS (32 Farben in den gängigen Modi, bis zu 64 im sog. “Halfbrite” Modus) oder AGA (256 Farben) Pixelgrafik wäre hier die jeweilige Diskettenversion die bevorzugte. Zwischen AGA, ECS und CD³² Version bestehen jedoch einige deutliche Unterschiede, die das gesamte Spielerlebnis betreffen. So hat die CD³² Version eine recht gut ausgeklügelte Joypad-Steuerung (zusätzlich zur optionalen klassischen Tastatur- und Maussteuerung) sowie einen CD Soundtrack während der Einsätze. In der AGA Version herrscht während der Missionen bis auf das recht monotone Rotorengeräusch Stille. Die ECS Version weist naturgemäß zusätzlich eine reduzierte Farbpalette auf.

Entscheidet man sich für die CD³² Version muss man allerdings mit “unschönen” und im Vergleich zu Pixel- und Vektorgrafik sehr schlecht gealterten Rendersequenzen leben. Zusätzlich wird in dieser Version (ein ebenfalls nicht gut in das Design des restlichen Spiels passendes) Ladebild bei jedem einzelnen Ladevorgang eingeblendet. Das ist unnötig, zumal (wie man in der veränderten Version sehen wird) anstelle dessen ein normaler Texthinweis in der Spielgrafik eingeblendet und man sonst sehr oft durch diesen “Ladebildschirm” unnötig oft aus der Immersion gerissen wird. Da ich einige Spieler gerne mit Musik die eintönige Soundkulisse auflockern, jedoch nur ungern dauernd den Ladebildschirm bzw. bei jedem Start das karge Renderbild sehen möchten, findet der geneigte Enthusiast im folgenden Abschnitt eine Kurzanleitung.

² Zur Richtigstellung müsste der Begriff “Purist” für dieses Beispiel also noch um den Bereich “Pixelgrafik” erweitert werden.

Vorbereitung
Nötig zur Umsetzung sind die folgenden Freeware Programme:
XNConvert für Windows (zur Anzeige von .pix und .lbm Dateien)
PictView Converter 1.1 Console Version für Windows (Command-Line Tool zur Konvertierung von .bmp Dateien in .lbm Dateien)
– Ein Hex-Editor nach Wahl (Empfehlung: HexEdit 3.0F Free Version)
– Ein Freeware Brennprogramm wie ImgBurn zum Erstellen und Brennen von CD-Abbildern bzw. Images (zB. im ISO Format) welches dann bearbeitet werden kann
– Optional: eine CD-R zum Brennen des veränderten Images um das angepasste Spiel auf dem CD³² spielen zu können

Weiterhin wird das Vorhandensein einer original CD³² Version von Gunship 2000 von Microprose vorausgesetzt. AGA oder ECS Versionen werden nicht benötigt

Durchführung
Schritt 1:
Zunächst sollten von der CD³² Version die Dateien cdintro.xl und INTRO.XL sowie CDACCESS.PIX und GS2LOGO.LBM auf den Desktop kopiert werden. Aktuelle Windows Systeme bis Windows 8 sollten ohne Probleme Amiga-CDs lesen. Die Datei cdintro.xl beinhaltet die Microprose Logo-Animation (diese ist relativ minimalistisch und noch einigermaßen gut anzuschauen, dazu wird ein Musiksample abgespielt). INTRO.XL beinhaltet die Hubschrauber Animation, die das herkömmliche Pixelart-Intro von Gunship 2000 ersetzt. CDACCESS.PIX beinhaltet den Overlay-Ladebildschirm während GS2LOGO.LBM die Grafik für den Titelbildschirm enthält. Die Dateien sind in einem komprimierten Amiga Grafikformat (LBM oder ILBM steht dabei für IFF Interleaved Bitmap) und können von Tools wie XNConvert gelesen bzw. PictView Converter konvertiert werden.

Schritt 2: Zunächst konvertiert man die GS2LOGO.LBM Datei mit XNConvert im indizierten .bmp Format (die Palette sollte erhalten bleiben um optimale Kompatibilität zu gewährleisten). Durch die Konvertierung hat man bereits das richtige Format sowie die indizierten Farben. Dieses kann man in einem beliebigen Malprogramm (Gimp, Photoshop etc.) öffnen und den Inhalt durch das Titelbild der AGA, ECS oder sogar PC Version ersetzten. Die Datei enthält das Titelbild, welches beim Start des Spiels angezeigt wird. Möglich ist auch, den Inhalt durch das in diesem Artikel verlinkte Bild von unserem Server (.png Format mit bereits richtig konfigurierter Palette) zu ersetzen.

Schritt 3: Die geänderte .bmp Datei wird mit dem Tool PictView Converter (ein Command-Line Tool) zurück in das .lbm Format konvertiert (das Programm bietet beim Start eine Hilfe mit den nötigen Optionen an, in der Regel ist dies: “<Dateiname des .bmp> -l” und geht am einfachsten indem man einfach das Programm sowie das .bmp in einen Ordner kopiert, unter Start->Ausführen mit “cmd” die Eingabekonsole startet und dann den Programmnamen mit den genannten Parametern ausführt um die Datei zu konvertieren. Wichtig: die Datei darf nicht größer sein als die Originaldatei, da sie später in das CD-Abbild integriert werden muss. Die Datei sollte am besten eindeutig als die veränderte gekennzeichnet sein (in diesem Beispiel GS2LOGO-NEW.LBM).

Schritt 4: Mit einem Hex-Editor wie HexEdit öffnet man in diesem Schritt die erstellte GS2LOGO-NEW.LBM und kopiert den gesamten Inhalt der Datei. Nun öffnet man im Hex-Editor die originale GS2LOGO.LBM und ersetzt vom Datei-Anfang an den Inhalt mit den kopierten Daten. Dabei darf die Länge der GS2LOGO-NEW.LBM Daten, die Länge der Datei GS2LOGO.LBM nicht überschreiten (in der Regel erscheint dann im Hex-Editor eine Warnung die auf das Ende der Datei hinweist). Ist die Datei kleiner, empfiehlt es sich den Rest der originalen GS2LOGO.LBM mit 0en aufzufüllen um die Dateigröße beizubehalten. Die Datei speichert man am besten als GS2LOGO-FINAL.LBM ab.

Schritt 5: Mit einem Brennprogramm wie beispielsweise ImgBurn sollte von der CD³² CD zur weiteren Bearbeitung eine .iso Datei erstellt werden.

Schritt 6: Mit dem Hex-Editor öffnet man nun noch einmal die originale GS2LOGO.LBM Datei und kopiert den Hex-Code des Headers sowie einiger Zeilen danach. Als nächstes öffnet man die im vorhergehenden Schritt erstellte .iso-Datei im Hex-Editor und sucht nach dem kopierten Hex-Code. Hat man die entsprechende Stelle gefunden “ersetzt” man alles direkt ab Anfang des Headers mit dem Inhalt der Datei GSLOGO-FINAL.LBM. Die .iso Datei kann man direkt speichern und überschreiben oder zur Sicherheit unter einem anderen Namen speichern.

Schritt 7: Als nächstes öffnet man die restlichen im ersten Schritt extrahierten Dateien, ersetzt sie komplett durch 0en und speichert sie unter neuem Namen ab.

Schritt 8: Im letzten Schritt kopiert man wie in Schritt 4 die jeweiligen Header sowie einige Zeilen danach im Hex-Format und sucht mit Hilfe des Hex-Editors nach den jeweiligen Dateianfängen. Die einzelnen Vorkommen der Datei werden dann jeweils durch die exakt gleich langen Inhalte der 0er-Replacement Dateien ersetzt. Hat man dies erledigt, kann man die .iso Datei final abspeichern.

Abschluss
Das (theoretische) “Löschen” der CDACCESS.PIX Datei hat angenehmerweise zur Folge, dass anstatt des “Overlays” beim Laden ein fließender Übergang zwischen den einzelnen Bildschirmen von Gunship inkl. einer Hinweisnachricht stattfindet, der dem Ladevorgang der ECS, AGA oder PC-Version ähnelt. Anstelle des vorgerenderten Intros wird nun direkt der Titelbildschirm im gewünschten Design angezeigt. Durch das “injecten” der geänderten Dateien in das CD-Abbild, kann die .iso problemlos entweder mit einem Emulator wie WinUAE abgespielt oder für die Verwendung am CD³² gebrannt werden. Voraussetzung sollte auch hier sein, dass man die Original-Version von Gunship 2000 auf dem CD³² besitzt. Es wäre noch interessant, zu versuchen, das Intro im .xl Format mit dem Original Intro von der Disketten- oder DOS Version zu ersetzen (Rippen der Einzelbilder und Import als Animation per Konverter). Die “.xl” Dateien sind wahrscheinlich in einem MPEG-1 Format (wie zB. das Amiga Format CDXL).

Anmerkungen
Im Gegensatz zur CD³²- und AGA-Version von Gunship 2000 hat die PC-DOS Version eine leicht aufwändigere Grafikengine. Theoretisch wäre es möglich den herausstechendsten Unterschied neben dem farblich besser abgestuften Himmel – die “Modelle” für Baumgruppen – aus der PC-Version zu importieren und damit die abgespeckten Amiga-Modelle (jeweils nur ein Baumpaar zu ersetzen). Dies wurde zwar von Telespielforschung nicht getestet, sollte aber möglich sein.

Quellenangaben:
Hall of Light, Gunship 2000, (http://hol.abime.net/2812)
DOS Game Modding Wiki, LBM Format (http://www.shikadi.net/moddingwiki/LBM_Format)

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